Kapitalstrategie - Venture Capital oder Private Placement
Mittelständische Unternehmen stehen nicht selten vor dem Problem einer zu dünnen Eigenkapitaldecke. Wenn die eigenen Mittel der Unternehmer nicht ausreichen und die Kredit gebenden Banken bei der Innovationsfinanzierung nicht weiter ins Risiko gehen können oder nicht wollen, dann sind alternative Finanzierungsmodelle gefragt. Diese unter dem Begriff Private Equity zusammengefassten Möglichkeiten reichen von der Ausgabe von Unternehmensbeteiligungen an ein breit gestreutes Publikum, sog. Private Placement, über die Einwerbung von Wagniskapital bei Beteiligungsgesellschaften bis hin zu den Business Angels und Unternehmensübernahmen durch das Management, sog. Management-Buy-Out (MBO).

Trotzdem wird die außerbörsliche Finanzierung vielfach ausschließlich mit der Tätigkeit von spezialisierten Unternehmen im Bereich Venture Capital bzw. Beteiligungsgesellschaften gleichgesetzt. Die meisten Unternehmer kennen nur diese Variante und verfolgen stur eine auf Venture-Capital abgestimmte Kapitalstrategie. Sie lassen dabei die Möglichkeit außer Betracht, dass neben der Beteiligung durch VC-Gesellschaften z.B. ein Private Placement am freien Kapitalmarkt ein geeignetes Finanzierungsinstrument ist.

Gerade in diesem Bereich ist in letzter Zeit auch in Europa und Deutschland ein starker Boom mit ständig steigenden Zahlen zu beobachten. So flossen nach Angaben des Bundesamtes für Statistik allein 1999 über 50 Mrd. DM in Unternehmensbeteiligungen durch Kapitalmarktemissionen im Rahmen eines Private Placements.

Was ist nun die bessere Alternative?

Problematisch für Unternehmer ist, dass viele VC-Gesellschaften es de facto vermeiden, die risikoreichen Frühphasen-Engagements zu unterstützen. Die meisten am Markt befindlichen VC-Gesellschaften sind schwerpunktmäßig auf die Expansions-Finanzierung, also die Unterstützung zu einem späteren Zeitpunkt, ausgerichtet. Besonders rentabel sind die Wachstumsbereiche IT, Biotechnologie, o.ä. Unternehmen aus Branchen die nicht ein derartiges Wachstum versprechen, haben es schwer, das Interesse der VC-Gesellschaften zu wecken.

Des weiteren stellen die VC-Gesellschaften das Kapital nicht wie bei einer klassischen Bankenfinanzierung mit Blick auf eine laufende Verzinsung oder eine Teilhabe am Gewinn zur Verfügung, vielmehr spekulieren sie auf eine erhebliche Wertsteigerung ihrer Beteiligung. Favorisiert wird der Börsengang (going public), bei dem das unterstützte Unternehmen ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückt und die Gewinnchancen aus Sicht der Kapitalgeber erhöht werden.

Vor diesem Hintergrund ist es allerdings auch verständlich, dass VC-Gesellschaften in jedem Fall Einfluss auf die Geschäftsführung ausüben, ob sie juristisch dürfen oder nicht. Eine möglicherweise nicht unerhebliche wirtschaftliche Abhängigkeit ist durch die sehr hohen Beteiligungsvolumina nicht von der Hand zu weisen.

Derartige Abhängigkeiten gibt es bei der von vielen vernachlässigten Alternative eines Private Placements mit einer Emission am freien Kapitalmarkt nicht. Hier kann der Emissionär unternehmerische Einflussnahmen der Kapitalgeber durch vertragliche Vereinbarungen einfacher ausschließen. Er bleibt Herr im Haus mit aller dazugehöriger Entscheidungsfreiheit. Der Unternehmer kann zwischen der vermeintlichen Sicherheit einer VC-Beteiligung und der Alleinverantwortlichkeit wählen. Wie viel Freiheit die Unternehmen im Einzelnen beibehalten möchten, hängt von der jeweiligen Unternehmensphilosophie ab.

Die Frage, ob sich die Aufnahme von gebündeltem Risikokapital über VC-Gesellschaften und die von breitgestreutem Risikokapital eines Private Placements gegenseitig ausschließen, ist mit einem klaren Nein zu beantworten. Das Private Placement ist ein äußerst flexibler und in jeder Finanzierungsphase gangbarer Weg. Einer zweigleisigen Firmenfinanzierung durch Venture Capital und Private Placement steht nichts entgegen. Im Gegenteil: Im Rahmen einer Unternehmensfinanzierung sollten alle verfügbaren Mittel und Wege in Erwägung gezogen und in der Kapitalstrategie bedacht werden. So kann der Unternehmer Risikokapital aufnehmen und sich danach zu jedem Zeitpunkt noch Eigenkapital durch eine Privatplatzierung beschaffen. Bei dieser Variante kann es zwar passieren, dass der Unternehmer auf Missbilligung bei den VC-Gebern stößt, da diese um einen Einflussverlust fürchten. Ist allerdings die Resonanz seitens der VC-Geber positiv, ist eine Privatemission am freien Kapitalmarkt ein erfolgversprechender und äußerst sinnvoller Weg.

Die Unternehmen können sich natürlich auch erst Eigenkapital durch ein Private Placement beschaffen und dann nach einem geeigneten VC-Geber suchen. Durch die erhöhte Eigenkapitaldecke haben sie in diesem Fall auch eine bessere Verhandlungsbasis gegenüber den VC-Gesellschaften.

Ein weiterer Vorteil des Nebeneinander ist die Sicherheit, dass bei Wegfall einer Finanzierungsform auf die jeweils andere zurückgegriffen werden kann. Darüber hinaus ist auch zu bedenken, dass VC-Beteiligungen regelmäßig einmalig und kurz- bzw. mittelfristiger Natur sind, wogegen Beteiligungskapital aus einem Private Placement langfristig im Unternehemen gebunden ist. Auch ist der Gang an dein Kapitalmarkt grundsätzlich jederzeit wiederholbar. So wird der für viele Unternehmer wichtige Faktor Zeit nicht unnötig bis zum Gewinn herausgezögert.

Der Unternehmer sollte also unter Berücksichtigung des Marktgedankens auch bei der Unternehmensfinanzierung jede sich ihm bietende Chance nutzen. Er sollte sich von der Vorstellung verabschieden, dass Venture Capital die einzige Alternative zu Fremdkapital ist. Bei sorgfältiger Prüfung der VC-Gesellschaften und einer unter kompetenter Beratung durchgeführten Eigenemission am freien Kapitalmarkt, steht der doppelten Eigenkapitalbeschaffung nichts im Wege. 


Kanzlei Dr. Werner & Collegen in Göttingen

Die Kanzlei berät Unternehmen, die vor einem Gang an den Freien Kapitalmarkt stehen und bietet als Emissionsberater Finanzierungslösungen aus einer Hand. Von der Entscheidung für ein Going Public über die Unternehmensanalyse, den Entwurf der Kapitalstrategie, der Prospekterstellung bis zur Unterstützung bei der Entwicklung der Vertriebsstrategie steht die Kanzlei ihren Mandanten beratend zur Seite. Der ständige Kontakt zwischen den Emissionsberatern und den Mandanten verkürzt die Kommunikationswege und sorgt für ein Höchstmaß an Effizienz. Als Capital Consultants unterstützt die Kanzlei ihre Mandanten bei der Konzeption zukunftsweisender Kapitalmarktstrategien und ermöglichen es ihnen, mit Hilfe der geeigneten Finanzierungsinstrumente die Eigenkapitaldecke zu stärken. Der Umfang der Beratung, der stets an den individuellen Wünschen der Mandanten ausgerichtet ist, reicht weit über die Konzeptionsphase hinaus: Die Unternehmen werden von der ersten Beratung und der Entscheidung für den Gang an den Kapitalmarkt bis zur Abwicklung der Emission begleitet.